Zum Abschluss des Lausitz Festivals spielte in der Kulturweberei Finsterwalde am 13. September 2026 ein Quartett um den Trompeter, Pianisten, Komponisten und Bandleader Sebastian Studnitzky – angebahnt durch einen Kontakt von Bassist Haggai Cohen-Milo. Mit Arto Mäkelä (git) und Bodek Janke (drums) war die Band in wenigen Stunden komplettiert worden (das Programm musste kurzfristig umgestellt werden). Die Musiker kamen aus allen Himmelsrichtungen zusammen, die kürzeste Anreise hatte dabei Mäkelä aus Leipzig, wie Studnitzky launig anmerkte.
Ohne lange Probe, nach einem Soundcheck, hieß es „Jazz ab!“ im nicht ganz ausverkauften Saal der Kulturweberei. Das erste Stück „Aura“ widmete Studnitzky dem US-amerikanischen Trompeter Miles Davis (1926 – 1991) – in Erinnerung an dessen 100. Geburtstag. Bis heute gilt Davis als einer der einflussreichsten, stilprägenden Jazz-Musiker des 20. Jahrhunderts. Mit „Lacuna“ (Lücke) folgt Sebastian Studnitzky dem Wunsch seines Sohnes, mal „was Flottes“ zu komponieren – um dann im nächsten Stück zu belegen, dass auch drei Akkorde viel Spaß machen.
Was Jazzmusiker in der hohen Kunst der Improvisation leisten können, bewiesen Studnitzky und Co an diesem Abend auf überzeugende Weise. Zu hören gab es zeitgenössischen Jazz auf hohem Niveau, mit differenziertem elektronischen Einsatz. Am Ende war Standing Ovation für das Quartett um Sebastian Studnitzky kein Höflichkeitsapplaus. Professionalität und Emotionalität – da lässt sich nur seinem Credo zustimmen: „Es gibt im Jazz keine Fehler – nur Angebote!“
Und Jazz ist eine vielschichtige Musik. Studnitzky, erfahren auch als Gründer des Berliner XJAZZ Festivals, liefert dafür selbst den besten Beweis. Er ist solo unterwegs, aber auch mit großer Band oder Kammerorchester. So wird er im November in Leipzig in der Peterskirche und in der Berliner Philharmonie mit dem Kammerorchester der Philharmonie Odesa eine Homage an die Stadt und die Menschen spielen. Wenn Studnitzky ebenso für klassische Orchester komponiert und mit seinem emotionalen Spiel Genregrenzen überschreitet, so bewies er mit seinen Mitspielern in Finsterwalde, dass Jazz eine traditionelle wie neugierige Musik ist, die immer wieder neue Strömungen aufnimmt – in diesem Fall auf eine unaufdringliche, höchst musikalische Weise.
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