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In memoriam Rolf Kühn (1929 – 2022)

Von Bert Noglik

Rolf Kühns jahrzehntelange Präsenz auf der Jazzszene glich einem Glücksfall und einem Geschenk. Rolf Kühn war ein Ausnahmekünstler, ein deutscher Jazzmusiker der Königklasse, einer der ganz wenigen von  Weltformat. Und er war ein wunderbarer Mensch, voller Weisheit und Zugewandtheit, bescheiden und sanft, aber auch entschlossen, wenn es um Haltung und um ästhetische Maßstäbe ging. In Fragen der Qualität gab es für ihn keine Kompromisse. Um den eigenen höchsten Ansprüchen zu genügen, hat er bis ins hohe Alter konsequent geübt, sich in jeder Hinsicht in bester Form gehalten. Wesentlich für die Strahlkraft seiner Musik war seine Liebe zu den Menschen, seine künstlerische Phantasie und sein waches Interesse an dem, was um ihn herum passiert. Das führte ihn mit Musikern und Musikerinnen jüngerer Generationen zusammen, denen er generös und partnerschaftlich begegnete. Etwas ganz Besonderes war seine lebenslange Verbundenheit mit seinem Bruder Joachim – eine auf tiefer Zuneigung beruhende Kraft- und Inspirationsquelle, für beide. Wer Rolf Kühn näher kennenlernen durfte, wird in Verbindung mit ihm immer auch an Melanie denken. Im Gleichklang der Seelen ebenso wie bei der Bewältigung des Alltäglichen war sie die Perfektion an seiner Seite, mehr noch: seine Muse.

Rolf hatte die ganze Geschichte seines Instrumentes aufgesogen, sich in unterschiedlichen Richtungen des Jazz profiliert und beständig auf die Suche nach dem Neuen begeben. Selten traf der Satz, dass der Stil eines Menschen seinen Charakter darstellt, so zu wie auf ihn. Rolf hatte Stil – in allem, was er tat und wie er auftrat – in der Art sich zu geben und auch in der, anderen zu begegnen. Man kann es gut mit einem Wort beschreiben, das heute schon fast aus der Mode gekommen zu sein scheint, obwohl es nichts von seiner Bedeutung verloren hat: nobel. Rolf Kühn war gütig und nobel, zugleich up to date und relaxt. Der Stil macht den Menschen und den Musiker aus. Und im Jazz natürlich auch der Ton. Rolf Kühns Ton auf der Klarinette bleibt unerreicht – warm, rund, elegant, reif und vollendet. In diesem Ton spiegelten sich die Erfahrungen eines langen und reichen Musikerlebens. Souveränität und Meisterschaft war seinem Wesen ebenso eigen wie Wagemut und Risikofreude. Rolf Kühn wurde von einer unbändigen Neugierde vorangetrieben, die ihn die bekannten, auch die bewährten Pfade immer wieder verlassen und etwas finden ließ, mit dem er uns zu faszinieren und zu erfreuen vermochte. Er habe sein ganzes Leben in die Musik gesteckt, hat er einmal gesagt. Diese Musik wird bleiben. Rolf wird uns fehlen.  

ingrid-h.
Motivation: Für mich sind Fotos Erinnerungsschnipsel, die ich gern auch mit anderen Konzertbesuchern teilen möchte. Das eine oder andere Bild bleibt vielleicht auf diese Weise länger im Gedächtnis.
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